Vogelwelt im Podocarpus Nationalpark

KolibriEin englisches Ornithologen-Team erarbeitete Ende der 80er Jahre eine Liste mit insgesamt 560 Vogelarten im Podocarpus Nationalpark, was ca. 35 % aller ecuadorianischen und 6 % aller Vogelarten weltweit entspricht! Dabei sind die weniger erschlossenen Gebiete im Park kaum untersucht, was vermuten lässt, dass sich noch viele unbekannte Arten in den ausgedehnten Wäldern verbergen. Da Vögel generell als zuverlässige Indikatoren für die biologische Vielfalt einer Region gelten, kann man bereits aus deren Vielfalt auf die Qualität der Lebensräume im Park schließen. Der Parkeingang Cajanuma, bekannt für seine reichhaltige Vogelwelt, ist der ideale Ausgangspunkt für Hobbyornithologen. Wer frühmorgens aufbricht hat gute Chancen beispielsweise den bärtigen Guan (Penlope barbata), eine vom Aussterben bedrohte Rote-Liste-Art, anzutreffen, der im Park eines seiner letzten Rückzugsgebiete gefunden hat. Auch der scharfe kik-kik-kik-Ruf des grau-brüstigen Andentukans (Andigena hypoglauca) ist hier noch häufig zu hören. In den etwas höher gelegenen Paramogebieten erliegt man der Faszination einige der immerhin 61 bunt schillernden Kolibriarten des Parkes beim Nektarsaugen zu beobachten. Die in einem Winkel von 180° beweglichen Flügel, verbunden mit der extrem hohen Schlagfrequenz (bis zu 80 Flügelschläge pro Sekunde) ermöglichen den winzigen Vögeln maximale Manövrierfähigkeit im Flug: Rückwärtsflüge oder völlligen Stillstand vor einer Blüte absolvieren die flinken Flugakrobaten mit Leichtigkeit!

Säugetiere

TapirDer Park bietet vom Aussterben bedrohten Säugetieren ein letztes Rückzugsgebiet. Mit etwas Glück stösst der Wanderer auf frische Fuss- oder Fraßspuren des Brillenbären (Tremarctos ornatus), der nur noch in wenigen Gebieten Südamerikas beheimatet ist. Wer sich nicht scheut nachts mit Stirnlampe und viel Geduld auf Erkundungstour zu gehen, hat hier im Park sogar noch die Gelegenheit, den extrem seltenen Tapir (Tapirus pinchaque) zu beobachten, der besonders unter dem hartnäckigen, auch heute noch verbreiteten Aberglauben der Bevölkerung leidet. Die nachtaktiven Pflanzenfresser, die sich bevorzugt an Lagunen aufhalten, wurden und werden ausserhalb des Schutzgebietes gnadenlos bejagt, da sie als Allerheilmittel gegen diverse Krankheiten und Liebeskummer teuer verkauft werden können. Tapirblut wird zur Stärkung des Herzens verabreicht, Fleisch heilt angeblich Bronchien- und Nervenkrankheiten, zermahlene Hufe werden als Aphrodisiakum gepriesen, während man schließlich die Haut zu Schlingen und Schuhsohlen verarbeitet. Vor 1982 war die traditionelle Jagd in der Region offiziell erlaubt, was zu einer starken Dezimierung aller Säugetierarten geführt hat. Die Populationen der meisten Arten haben sich jedoch seit Ausweisung als Schutzgebiet stabilisiert.