Hintergrundinformationen 

Veränderung der Landwirtschaft 
Der Rückgang der Sortenvielfalt geht mit einer veränderten Landwirtschaft in den letzten hundert Jahren einher. Die zunehmende Industrialisierung in diesem Bereich wirkte sich auch auf die Züchtung aus, da es immer wichtiger wurde ertragssteigerndes Saatgut und nicht an Boden und Klima angepasste Saat zu entwickeln. Ein weiterer massiver Artenverlust wurde durch die Züchtung von Hybridsorten verursacht, die die Erträge gegenüber den herkömmlichen Züchtungen steigert und großflächige Monokulturen erlaubt. Hybride erfordern aber den Einsatz von Mineraldüngern und Schädlingsbekämpfungsmitteln. Sie sind entweder steril oder bringen in der zweiten Generation erhebliche Ertragseinbußen. Der Bauer muss also jedes Jahr neues Saatgut kaufen, dazu entsprechende Pestizide und Dünger. Weniger ertragreiche Sorten werden von den kommerziellen Züchtern aus wirtschaftlichen Gründen nicht angeboten. Kleine und mittlere landwirtschaftliche Betriebe verschwanden und damit viele der alten Landsorten

Auch in den Hausgärten wurden viele Sorten nicht mehr angebaut, da das Saatgut nicht mehr erhältlich war. Was verschwindet sind jedoch nicht nur einzelne Arten. Schneller noch verarmt der Reichtum innerhalb der Arten, die Sorten oder sogenannten Varietäten. Deren Vielfalt ist aber notwendig, damit ein natürliches Anpassungspotential, etwa bei veränderten Umweltbedingungen, erhalten bleibt. 

Saatgutgesetze 
In allen europäischen Ländern regeln Saatgutgesetze die Saatgutvermehrung und den -handel. In Deutschland prüft das Bundessortenamt neue Sorten und entscheidet über ihre Zulassung für den gewerblichen Handel. Von allen wirtschaftlich bedeutenden Arten darf nur mit den zugelassenen Sorten gehandelt werden. Dieses wird im Saatgutverkehrsgesetz geregelt. Arten, wie Erdbeerspinat, Weißwurz oder die Spargelerbse unterliegen nicht diesen Beschränkungen, da sie nur von Privatleuten über Vereine angeboten werden. Die Änderung des Sortenschutzgesetzes 1997 in Deutschland ist ein weiterer Schritt in diese Richtung.

Gefahren der Gentechnik 
In der Gentechnik werden die Gene einer Art in den Organismus einer anderen Art eingefügt, um gewünschte Eigenschaften zu übertragen. Dadurch werden neue Organismen geschaffen, die bislang nicht in der Natur vorkommen. In der konventionellen Züchtung sind nur Kreuzungen innerhalb einer Art möglich.

Genbanken 
Die Proben von alten und seltenen Sorten werden nicht in ihrer natürlichen Umwelt (in-situ) bewahrt sondern weltweit in 1300 Genbanken eingelagert (ex-situ), um die genetischen Ressourcen zu bewahren. Millionen von Saatgut-Varietäten werden unter kühlen und trockenen Bedingungen eingelagert, die von internationalen Organisationen, Regierungen oder von Forschungsinstituten getragen werden. In Deutschland hat beispielsweise das Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK) in Gatersleben eine Genbank für Kulturpflanzen. In den Genbanken werden die alten Kulturpflanzen lediglich konserviert, aber nicht weiterentwickelt, wie es von Bauern praktiziert wird. Ein Problem ist auch, dass die Samen nach einiger Zeit der Lagerung nicht mehr lebensfähig sind. Gelagerte Samen verlieren ihre Anpassungsfähigkeit an veränderte Umweltbedingungen. Die Samen müssen wieder ausgesät werden, um ihre Lebensfähigkeit zu erhalten. Diesen Aufwand können die Genbanken nur in kleinem Umfang leisten. Besser ist der Erhalt der Kulturpflanzen, indem sie weiter angebaut werden.